Eko Fresh " Was kostet die Welt?" + Video VÖ: 25.06.2010

/

Wer über Eko Fresh redet, redet häufig über die Vergangenheit. Über seinen EP-Klassiker „Jetzt kommen wir auf die Sachen“, seines Zeichens das beste Debüt, das ein 18-jähriger MC hierzulande jemals abgeliefert hat. Über den Umstand, dass er damals der jüngste Rapper Deutschlands gewesen ist, der einen Major-Plattenvertrag sein eigen nennen konnte. Über seine packende Performance im Diss-Track „Die Abrechnung“ beim größten Beef, den die deutsche HipHop-Szene je hautnah miterleben durfte. Und nicht zuletzt über die Tatsache, das er bis heute bereits mehr als eine halbe Millionen Tonträger verkauft hat. Und dabei sollte man nicht vergessen: Eko Fresh ist gerade mal 26 Jahre alt.

Doch trotz der vielen Wege, die er in seiner zehnjährigen Karriere bereits beschritten hat, trotz all der Mauern, die er für deutschen HipHop schon eingerissen hat, trotz all der Erfolge, die er bis heute für sich verbuchen konnte – nun ist es für Eko Fresh endlich an der Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Sich freizumachen. Loszulassen. Und mit einer Rückbesinnung auf seine Wurzeln, frischem Elan und einem grandiosen neuen Album im Gepäck Richtung Zukunft zu blicken. „Es ist toll, Eko Fresh zu sein“, erklärt Eko schmunzelnd und bringt damit gleichzeitig die inhaltliche Ausrichtung der Platte auf den Punkt. „Schließlich bin ich der medienkompatibelste Rapper des Landes, der es mit Talent und Können bis in die Mainstreammedien geschafft hat.“ Recht hat er. Oder möchte ihm da tatsächlich jemand widersprechen?

Denn ohne Zweifel, der Spagat zwischen kommerzieller Fernsehpersönlichkeit und glaubwürdigem HipHop-Charakter gelingt niemandem so gut wie dem sympathischen Wahl-Kölner. Und genau diese Fähigkeit, ganz souverän auf den verschiedensten Hochzeiten tanzen zu können, ist es eben, die Eko von anderen HipHoppern unterscheidet – und damit auch für die Mainstreammedien interessant macht. Zwischen unbestreitbarem Können und enormen Charisma liegt ein immenser künstlerischer Facettenreichtum, den der MC auf seinem neuen Album auf beeindruckende Art und Weise und in all seiner Pracht zu Tage gefördert hat.

„Ich musste mich komplett freiwaschen. Nachdem ich ein Teeniestar war, musste ich meine Position im Spiel erst einmal wiederfinden. Jetzt bin ich erwachsen und mir all meiner Fähigkeiten endlich vollends bewusst“ , lässt sich der 26-jährige zitieren. „Deshalb wollte ich mit der neuen Platte die Freshness zurückbringen, die ich selbst an mir vermisst hatte. Und das habe ich geschafft – der Charakter Eko Fresh glänzt wieder!“ Und das kann man laut sagen. Denn was der Rapper auf „Was kostet die Welt?“ für eine faszinierende Vielseitigkeit an den Tag legt, hat man auf einem einzigen Tonträger in dieser Form so noch nicht gehört.

 

Bereits die erste Single-Auskopplung „Königin der Nacht“ ist gleichzeitig ein fast schon wahnsinnig zu nennendes Eko-Experiment und absolutes Chartungetüm in einem. Mit einer minutiös ausgearbeiteten Mischung aus Rap und Singsang wirft sich Freezy darauf in ein modernes Wohlfühlsoundbett, wie man es sonst nur aus Amerika zu hören bekommt. Kompliziert arrangiert, aber durch die inhärente Catchyness mit eingebauter Hit-Garantie. „Ich habe noch nie so gerappt wie auf diesem Song und mich auch nie dermaßen intensiv mit meiner Stimme befasst“, erklärt Ek. „Ich bin nun einfach im Reinen mit mir und das hat sich auch auf die Albumproduktion übertragen. Ich bin nicht mehr bloß ein Rapper, sondern über die Jahre zu einem richtigen Songwriter gereift. Und in das Lied ‚Königin der Nacht’ habe ich all das von mir reingelegt, was ich als Songwriter zu geben imstande bin.“ Ebenfalls auf der Single vertreten ist das Stück „Arschloch“, ein Song mit technisch versierten High-Class-Raps und dem nötigen Hit-Potenzial.

Eko hat sich endlich wieder auf seine Stärken besonnen und sein einstiges Potenzial mittlerweile bis zur Perfektion ausgebaut. Er macht seinem Namen alle Ehre und bringt die leicht arrogante Freshness zurück in die Musik, für die ihn die Leute in Kombination mit viel Humor und der nötigen Prise Selbstironie seinerzeit lieben gelernt haben: „Dies geht von Mönchengladbach bis nach Monte Carlo/Ich ess Filet Mignon, du gibst dein’ Monte Carlo.“ Eko beweist einmal mehr, dass Rap aus Deutschland heute weit mehr sein kann als verbittert verbalisierte Gewaltandrohungen oder geschmacklos vorgetragene Geschlechtsverkehrfantasien mit deiner Mutter. Rap kann inspirieren. Rap kann begeistern. Rap kann unterhalten. Und Rap kann auf neue Ebenen vordringen.

Man nehme nur mal das Stück „Ein-Mann-Orchester“. Über die Mozart-Sinfonie „Rondo Alla Turca“ breitet Eko seine alles überschwemmenden Flows aus und macht aus klassischer Musik kurzerhand einen musikalischen Klassiker. Einen absoluten Ohrenschmaus, der für technikverliebte HipHop-Hörer genauso viel Relevanz besitzt wie für all jene Musikliebhaber, die gerne über den eigenen Plattentellerrand hinausblicken. Oder „Die Ghostwriter“ mit Sentino, auf dem die beiden besten MCs ihrer Generation noch einmal zusammenkommen, um diese Tatsache erneut zu untermauern. Sentino und Eko haben damals immerhin die Selbstverständlichkeit aus dem US-Rap ins Deutsche überführt, und diesem Umstand werden sie auf diesem Song einmal mehr gerecht. Nicht zu vergessen das abgedrehte „Isch komm krass“, für das sich Eko Fresh keinen Geringeren als Florian Simbeck alias Stefan von Erkan & Stefan ins Studio geholt hat, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und das Celebrity- und Credibility-Level gleichermaßen hoch zu halten.

So ist auf „Was kostet die Welt?“ in Zusammenarbeit mit Phat Crispy, Monroe und Serious Sam ein fulminantes neues Album entstanden, das mit seinem ungeheuren Mannigfaltigkeit ein akustisches Spiegelbild Eko Freshs darstellt. Voller Charme und Chuzpe lässt dieser uns großzügig und in all seinen Facetten an seiner Welt teilhaben und untermauert seine gewachsenen Songwriterambitionen mit einem beängstigend guten Album, mit dem in dieser Form wohl niemand gerechnet hätte.

Tiefgreifend und lustig, hittig und hart, Rap und darüber hinaus.

Video:

Eko Fresh "Arschloch"

Mehr info auf:

http://www.ekofresh.tv


Kommentare





Sebastian schrieb am 09.06.2010 22:30:
Eko Fresh \" Was kostet die Welt?\"
Also das Video gefällt mir nicht.

HipHopKJ schrieb am 09.06.2010 14:07:
Fresh
Hört sich alles gut an, bin sehr drauf gespannt, wird aber fresh